Briefing für den 31.8.2017 | Ausgabe #384

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Moin, keine Ahnung, wie Ihr das macht, aber täglich werden es mehr von Euch! Herzlich Willkommen liebe Kollegen vom Fraunhofer Institut, NürnbergMesse, Der neue Tag, Theater Dortmund, funk, FAZ und vielen weiteren Institutionen, Firmen und Organisationen.

# Zukunft von WhatsApp

Interviews mit WhatsApp CEO Jan Koum sind rar gesät. In einem Artikel bei [Fast Company] gibt es neben reichlich typischem Schulterklopfen hinsichtlich des Wachstums und der Nutzerzahlen auch Neuigkeiten mit Blick auf Fragen der Monetarisierung: So könnte sich Koum vorstellen, dass WhatsApp künftig als Vermittler zwischen Kunden und Unternehmen fungiert. Die Idee skizziert Koum wie folgt:

Wenn etwa dein Flug verspätet ist, möchtest du das vielleicht einfach über WhatsApp erfahren und womöglich direkt über WhatsApp eine Umbuchung vornehmen.

Klingt stark nach Anwendungen, wie sie der chinesische Anbieter WeChat schon längst im Portfolio hat. Und auch Facebook selbst versucht bekanntlich hinter den Kulissen, den Messenger zu einer Service-Plattform umzubauen.

Passend zu den Aussagen von Koum erfährt man in einem Artikel bei [The Verge], dass WhatsApp anscheinend in einem Pilotprojekt damit begonnen hat, Business-Accounts mit einem grünen Häkchen zu verifizieren. Auf einer versteckten (?) FAQ-Seite von WhatsApp wird dies deutlich. Die Vorbereitungen für eine Kommerzialisierung laufen also bereits.

In diesem Zusammenhang ist noch erwähnenswert, dass das deutsche Unternehmen WhatsBroadcast gerade ein Funding von fünf Millionen Euro erhalten hat – durchaus eine respektable Summe im europäischen Startup-Markt. WhatsBroadcast lässt Unternehmen Messenger-Plattformen nutzen, um mit Kunden zu interagieren. Vielleicht erleben wir ja bald eine freundliche Übernahme durch Koum und Co… [Tech Eu]

# Beiße nicht die Hand, die dich füttert

Stell dir vor du bist Wissenschaftler und erforschst, wie es um die Marktmacht von Telekommunikationsunternehmen bestellt ist. Stell dir vor, du veröffentlichst einen Artikel auf der Website deines Arbeitgebers, in dem du der Europäischen Kommission zur auferlegten Strafe gegen Google gratulierst. Stell dir vor, dein Think Tank, bei dem du arbeitest, hat einen Konferenz-Raum, der „Eric Schmidt Ideas Lab“ heißt. Genau. Du warst die längste Zeit Forscher bei diesem Think Tank.

Was bei der New America Foundation passiert ist, macht deutlich wie ausnahmslos das Macht- und Kontrollstreben von Alphabets CEO, Eric Schmidt, sein kann. Selbst bei Non-Profit-Organisationen, die sich auf die Fahnen schreiben, unabhängig von den Förderern zu agieren, wird durchregiert. Offiziell natürlich nicht, aber der Artikel in der [New York Times] macht deutlich, wie nah Lobbyismus und Wissenschaft in den USA miteinander verflochten sein können.

# Video Boom

Journalismus-Veteran Steven Levy sieht in dem Kampf von Apple, Google, Facebook, Snapchat und Amazon um die Aufmerksamkeit der TV-Zuschauer nichts geringeres als den Anfang einer dritten Ära dessen, was einmal das TV war. Es wird vermutlich nicht viel übrig bleiben von den guten alten Zeiten des Fernsehens, wenn Tech-Giganten wie Facebook anfangen, ihre riesigen Datenschätze dafür zu nutzen, genau das zu produzieren, was die Nutzer big data zufolge interessiert. Simply can`t resist. But why should we anyway?

# Kasse machen mit Game of Thrones

Die geschätzten Kollegen von [Serienjunkies] erklären in einem umfassenden Beitrag, wie mit Reichweitenstarken Game of Thrones Facebook-Fanpages ordentlich Kasse gemacht wird: falschen Schauspielern, Copy-Paste-Redakteuren und Photoshop-Künstlern mit Hang zu Promi-Fotos sei Dank. Super skurril.

# Digital Detox ist so 2013

Unternehmen aus aller Welt arbeiten mit Hochdruck daran, jede Minute deines Tages über einen Online-Service zu vermitteln. Das Ziel: Es gibt kein Offline mehr. Was es aber auf lange Sicht mit einem macht, wenn der Austausch mit Kollegen (#Slack), Freunden (#Instagram), Familienmitgliedern (#WhatsApp) und dir selbst (#Headspace) nur noch über Intermediäre wie Apps und Messenger erfolgt, ist Gegenstand dieses lesenswerten Zwischenrufs: Surviving This Summer on the Internet [Wired]

# Social Media Suicide

Im Mai letzten Jahres hatte ein Teenager aus Paris ihren Selbstmord via Periscope live übertragen. Dieser erste Social-Media-Selbstmord, wie ihn der Guardian nennt, führte in aller Konsequenz der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie zu einer morbiden Spielart von flüchtiger Berühmtheit. Schaurig. Ein wirklich trauriger Longread: The First Social Media Suicide. [Guardian]

# Aktuelle Meldungen

Auch Martin Schulz lässt sich erwartungsgemäß von YouTubern befragen: Am 5. September wird das Interview live übertragen. Mit Blick auf die Ergebnisse, die bei der ersten Runde mit Angela Merkel zutage gefördert wurden, muss man kein Experte sein, um auch hier zu mutmaßen, dass es weniger um einen Beitrag zur Meinungsbildung geht als um PR für YouTube, Martin Schulz und die YouTuber selbst. [Presseportal]

Am 15. September soll in Österreich die neue Beratungsstelle gegen Hass im Netz ihren Betrieb aufnehmen. Wer im Netz gemobbt oder angegriffen wird, hat damit eine zentrale Stelle, an die er oder sie sich wenden kann. [Die Presse]

# Extratipp

Einen wirklich interessanten, wenn auch wenig journalistischen, Abriss über die deutsche Digitalindustrie gibt es bei [LinkedIn] zu lesen: Die Geschichte des Berliner Ökosystems.


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