Social Media Fasten

martin Analysen

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Heute beginnt die Fastenzeit. Viele wollen in den kommenden sieben Wochen wieder auf Fleisch, Alkohol, Süßigkeiten oder Autofahren verzichten. Ich dagegen möchte die Fastenzeit nutzen, um meinen Social-Media-Konsum zu überdenken. Vielleicht solltest du das auch tun. Here is why:

Die Social-Media-Plattformen müssen alles dafür tun, uns Nutzer auf den Plattformen zu halten. Dieser Satz ist natürlich gefühlt ein no-brainer, aber ein Blick in die jüngsten Jahresberichte von Facebook und von Twitter unterstreicht dies so deutlich wie es nur geht:

Als oberste Gefahr für das Geschäft wird die Abnahme des Nutzerinteresses genannt. Also müsse alles daran gesetzt werden, uns Nutzer immer stärker an die Plattformen zu binden – durch innovative Funktionen wie Stories, durch neue Angebote im Messenger bis hin zur Etablierung von Facebook als Infrastruktur für das Digitale Wir

Da hilft es, sich einmal wieder folgendes zu vergegenwärtigen: Wir Nutzer sind das Produkt. Die Plattformen wären nichts ohne Dich und mich. Ohne deine und meine Inhalte. Ohne unser Agieren auf Social Media und all die Klicks, Likes, Kommentare, Shares, Views und was sie nicht sonst noch alles in selbstausgedachten Metriken beziffern und in Gold verwandeln. 

Ich möchte heute die Chance ergreifen und dafür plädieren, in den kommenden Wochen die Social-Media-Plattformen achtsamer zu nutzen. Sich darüber Gedanken zu machen, was es wirklich ist, das einen dazu veranlasst, Facebook zu öffnen. Ist es nicht zu 99 Prozent eine ziemlich schlechte Gewohnheit, etwas, das sich so sehr in unsere Alltagshandlungen eingewoben hat, das es nur noch schwer zu erkennen ist, mit welchen psychologischen Tricks und Kniffen die Plattformen da faktisch gegen uns arbeiten? 

Ja, die Social-Media-Plattformen sind tolle Instrumente, um mit Freunden zu interagieren, beruflich auf sich aufmerksam zu machen oder Nachrichten und Stories zu finden, die einen in den traditionellen Medien so nicht begegnet wären.

Aber die Plattformen sind in allererster Linie Unternehmen, deren oberstes Ziel es ist, Geld an Dir zu verdienen – auf Kosten deiner Privatsphäre, deiner Freizeit und deiner Nerven. 

Wer mag, pflegt in den kommenden Wochen täglich 15 Minuten der Ruhe in seinen Tagesablauf mit ein. Smartphone aus, Laptop zu. Einfach 15 Minuten bei sich selbst sein. Das kann ganz schön aufregend sein, trust me!

-m-

Lesestoff für die nächsten Wochen

Judson Brewer: A simple Way to break a bad habit
WNYC: The Privacy Paradox
Guardian: How Technology gets us hooked
Make use of: How to really block time wasting websites
Benjamin Grosser: Facebook ohne Zahlen
 

Über den Autor

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Kulturanthropologe, Journalist und Blogger. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: Twitter | Facebook | Linkedin | Newsletter