#Briefing: Facebook will sein Geld zurück, Facebook zeigt Journalisten an, wie Social Media unser „Wissen“ verändern kann 

martin Allgemein

Facebook will sein Geld zurück

19 Milliarden US-Dollar hat Facebook für WhatsApp bezahlt. Nun will man natürlich auch Geld verdienen. Basic Thinking analysiert, wie das gehen soll: Mit einer Reihe neuer Funktionen, die auf den ersten Blick ziemlich sinnlos erscheinen: Statusmeldungen, ein Browser-Zugang für den Messenger, Kursiv- und Fettschrift. Nach der Einführung der Snapchat-artigen Statusmeldungen verschlechterten sich die Bewertungen im Appstore übrigens massiv. Entsprechend wird das Feature auch angenommen: Hand hoch, wer Statusmeldungen von Leuten bekommt, die nicht täglich beruflich mit Social Media zu tun haben… danke, reicht. 

Überhaupt intensiviert man die Zusammenarbeit mit Unternehmen, bietet neue Services an. Das, so notiert Christian Erxleben, birgt allerdings das (Facebook-typische) Risiko: Ändert sich WhatsApp oder wird ein Business-Dienst eingestellt, dann sind alle Nutzer weg. „Ein sicheres Modell sieht anders aus.“

In Indien wird’s dafür bald spannend: Unternehmen sollen Nutzern Nachrichten schicken können, die sich gerade in ihrer Nähe aufhalten. Nehmen wir uns also alle einen Moment Zeit und stellen uns das mal in der Mall of Berlin vor… WhatsApp for Business: Facebook will seine 19 Milliarden zurück [Basic Thinking]

Facebook zeigt Kinderpornografie-Rechercheure an

Ich musste es dreimal lesen. Facebook hat Journalisten aufgefordert, Screenshots von Kinderpornografie einzusenden, die das Netzwerk trotz Aufforderung nicht entfernt hat. Das taten die Kollegen. Facebook zeigte sie bei der Polizei an. Das berichtet der britische Guardian, passiert ist es Reportern der BBC. Die hatten testweise 100 Bilder gemeldet, die ihrer Wahrnehmung nach Kinderpornografie zeigten – 18 wurden aus dem Netzwerk entfernt. Ein Facebook-Sprecher kommentierte gegenüber dem Guardian: "Es verstößt für jeden gegen das Gesetz, Kinderpornografie zu teilen." Also auch für Journalisten, die ein Netzwerk mit Anschuldigungen konfrontieren und dafür Beweise vorlegen?  Facebook's stance on sexualised images of children is hypocritical [Guardian]

Wie Social Media unsere Erinnerungen ändern kann – und unser „Wissen"

Wenn ich dir ein Foto zeigen würde, auf denen du und ich auf Mallorca am Strand spielen, dann würdest du dich an die Begegnung im Urlaub erinnern, selbst wenn ich das Bild in Photoshop gebastelt habe. Glaubst du nicht? Bei den meisten Menschen wäre es so, das haben Wissenschaftler bereits erforscht. Was hat das mit Social Media zu tun? Naja. Der Effekt funktioniert nicht nur bei Urlaubsfotos. Deshalb glauben ganz viele Amerikaner, es habe ein „Bowling Green massacre“ gegeben. Gab es aber nicht. 

In der Masse unserer Erinnerungen ist es gar nicht so schwer, eine weitere – fiktive – hinzuzufügen. Auch deshalb sind Fake News ein Problem, berichten Wissenschaftler im Wissenschaftsmagazin Nature. Wenn wir etwas oft genug lesen, glauben wir es. Schließlich stammt die Information von unseren Freunden. How Facebook, fake news and friends are warping your memory [Nature]

Das Gleiche gilt auch für Dinge, die wir zu wissen glauben. Neulich hörte ich tatsächlich den Satz „Es gibt so viele Impfgegner, da muss doch etwas dran sein“, von einer gebildeten, vernünftigen Freundin. Buzzfeed-Reporterin Stephanie M. Lee analysiert, wie sich die Irrgläubigen im Internet versammeln, Unterstützung finden, ihren Glauben irgendwann für Wissen halten. So finde im Internet ein Feldzug gegen die Wissenschaft statt – ein dummerweise sehr erfolgreicher. Nächste Stationen: Klimawandel (erfunden von Konzernen und der Regierung) und Gentechnik (GIFT!). Inside the Anti-Science-Forces of the Internet [BuzzFeed]

PS: Beide Texte sind lang, aber äußerst lesenswert. Vielleicht fürs Wochenende bookmarken?

PPS: Impfungen lösen keinen Autismus aus. Wirklich nicht. Und das ist auch kein Streitthema.

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