Wie man im Internet berühmt wird – mit nur 68 Dollar

Tausende Fans bei Facebook, eine schöne Webpage, einen Eintrag bei Wikipedia und neben dem Twitter-Profilbild das begehrteste blaue Häkchen der Welt – so sieht Online-Reputation 2013 aus. Was sich nach harter Arbeit anhört,  kann in Wirklichkeit das Ergebnis von 68 Dollar und Arbeit eines Nachmittags sein.

Der Unternehmer und Autor Kevin Ashton (der mit der Erklärung, warum der Harlem Shake so erfolgreich war) hat in einem Beitrag für Quartz ein Experiment gewagt.  Er hat eine Kunstfigur erfunden und sie auf die Online-Welt losgelassen: Santiago Swallow hat Tausende Follower bei Twitter, ist laut Twitter-Biografie ein Star bei TED und hält Vorträge auf der South by South West. Swallow hat einen Wikipedia-Eintrag und mehrere Bücher geschrieben. Zudem hat er eine eigene Website, die seine Existenz verifizieren.


Der Name
Wer eine Kunstfigur schaffen möchte, braucht einen Namen. Dafür hat Ashton den Dienst Scrivener genutzt und sich am Ende für Santiago Swallow entschieden.

Twitter
Zunächst hat Ashton einen Twitter-Account eingerichtet und eine entsprechende Bio verfasst. Als Hintergrundbild hat er ein Foto hochgeladen, das direkt neben dem Profilbild ein blaues Häkchen zeigt. Für Profis ist diese Form der Trick-Verifikation sicherlich schnell erkannt, für normale Twitter-Nutzer wohl eher nicht. Zudem hat Ashton sich auf der Seite fiverr den billigsten Dienst rausgesucht, um Twitter-Follower zu kaufen. Das Ergebnis: 90.000 Follower für schlappe 50 Dollar.

Über den Dienst tweetadder hat Ashton seine Kunstfigur automatisch twittern lassen. Zudem folgt der Dienst automatisch anderen Twitter-Usern und retweeted auch passende Tweets anderer Nutzer. Alles vollautomatisiert:

His breezy platitudes come from half a dozen “mad-lib”-like phrases of the “if this, then that” variety, coupled with a list of nouns from the new age TED/SXSW hipster vocabulary: dolphins, phablets, Steve Jobs, mobile, Tom’s shoes, stevia and so on.

WordPress und Wikipedia
Als letztes hat Ashton seiner Kunstfigur einen Wikipedia-Eintrag geschrieben und eine Homepage mit WordPress gebaut. Ein Kinderspiel.


Ahston wollte mit dem Experiment zeigen, wie schnell und simpel sich im Web Fake-Accounts aufbauen lassen. Und wie einfach sich Unternehmen, die mit der Errechnung von ominösen Online-Reputations-Zahlen Geld verdienen, an der Nase herumführen lassen. Dafür hat der Autor an nur einem Nachmittag an ein paar Stellschrauben gedreht – und prompt ist der Dienst Kred auf den Account “reingefallen”. Kred sprach der Kunstfigur einen Wert 754 von 1000 zu, was mit Blick auf die Online-Reputations-Maßstäbe sehr ordentlich ist.

Falsche Twitter-Follower sind ein Millionen-Geschäft. Mit Diensten wie Status People lässt sich anzeigen, wie viele Fake-Follower man selbst hat. Ein Blick auf deutschsprachige Angebote spricht Bände:

  • Zeit Online = 55 Prozent Fake || 28 Prozent inaktiv || 17 Prozent gut
  • Sascha Lobo = 30 Prozent Fake || 33 Prozent inaktiv || 37 Prozent gut

Dabei ist es ja nun nicht so, dass Zeit Online oder Sascha Lobo Follower gekauft hätten. Vielmehr gibt es Millionen Fake-Accounts, die sich wie Parasiten an die Fersen von großen Accounts hängen und sie so noch weiter aufblähen. Die Zahlen der Fake-Verifikation sind natürlich nicht wirklich überprüfbar, geben aber dem Betrachter ein ganz gutes Bild, was es mit Accounts wie den folgenden zu tun hat:

Twitter Follower Zeit Online

Dadurch sind Online-Reputations-Dienste natürlich nur bedingt etwas wert, solange sie sich an der schieren Masse an Followern orientieren. Zudem sind auch die Unternehmenswerte von Diensten wie Twitter fraglich, wenn die Zahl der User – egal ob aktiv oder nicht – nur bedingt auch für die Anzahl an Menschen steht, die den Dienst tatsächlich nutzen. Das Experiment von Ahston zeigt: Vertraue nur, was Du auch überprüft hast! 

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Martin GieslerWie man im Internet berühmt wird – mit nur 68 Dollar

Comments 5

  1. Pingback: How To Fake a Person in Social Media › Nerdcore

  2. Pingback: Anschläge in Boston, Unzufriedenheit mit Facebook Home und Plagiatoren Jagd in Russland - unser Wochenrückblick - crowdmedia - Social Media verstehen

  3. Pingback: Wie man im Internet berühmt wird – m...

  4. nk

    Die Frage ist nur – wen interessierts? Aus Wikipedia dürfte er aus Nicht-Relevanz bereits am nächsten Tag fliegen und die Fake Follower fallen nun auch eher schnell auf. Was für Vorzüge einem jetzt Online-Reputation bringt, bleibt auch fraglich. Erst recht, was für Nachteile, wenn der Fake auffliegt.

  5. Pingback: Links der Woche: Wie man im Internet berühmt wird – mit nur 68 Dollar,Werbung mit Kundenmeinungen – auch negative Bewertungen müssen genannt werden! » Take-me-to-auction

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