#Briefing: WhatsApp Stories, Zuckerbergs Manifest, Snaps Spectacles

martin Briefing

WhatsApp führt Stories als neues Feature ein

Ab sofort können WhatsApp-Nutzer einen Snapchat-Stories-Klon nutzen, um sich mit Freunden über das reine Texten hinaus auszutauschen. Zunächst ist die Funktion nur in Frankreich und den Niederlanden freigeschaltet, das Roll-Out für Deutschland steht noch nicht fest, soll aber kommen. Zwei Punkte heben die Stories-Funktion bei WhatsApp von der Konkurrenz ab: die Stories sind Ende-zu-Ende verschlüsselt und es lassen sich Gifs in die Stories integrieren. [fast company]

Facebook ist ja bekanntlich kein Kind von Traurigkeit, wenn es darum geht, erfolgreiche Features von Dritten abzukupfern. Warum auch? Wenn ein Feature so gut funktioniert, dass es Millionen täglich nutzen, wäre es streng wirtschaftlich betrachtet einfach nur Quatsch, ein ähnliches Feature nicht selbst zu entwickeln.

Die Art und Weise, wie Instagram sich vor einigen Wochen bei Snapchats Story-Feature bediente, war allerdings so unverhohlen, dass Instagram-Chef Kevin Systrom gar nichts anderes übrig blieb, als Snapchat öffentlich die Credits für die Idee zu geben. [recode] Am Ende kann es ihm auch einfach egal sein – der Erfolg gibt ihm recht: Das Stories-Feature bei Instagram wird mittlerweile von 150 Millionen Menschen genutzt – exakt so viele User wie Snapchat insgesamt vorweisen kann.

Und weil es bei Instagram so gut funktioniert hat, geht Facebook nun einen Schritt weiter und lässt die Stories-Funktion eben auch bei WhatsApp integrieren, testet sie beim hauseigenen Messenger und in der Facebook-App selbst. [techcrunch]

Drei Empfehlungen zu Mark Zuckerbergs „Manifest“

Die erste große Welle an Artikeln zu Zuckerbergs Ansprache an die community schwappte ja bereits am Wochenende über uns hinein. Gestern haben wir dann in unserer montäglichen Analyse versucht, die Geschäftsinteressen hinter Zuckerbergs „Manifest“ aufzuzeigen. Heute möchten wir nun drei weitere Texte empfehlen, die sich durch ihren Zugang zu Zuckerbergs Text klar von allen anderen Artikeln, die uns begegnet sind, abheben:

Warum gute Intentionen häufig nach hinten losgehen

Journalisten wollen nur das Beste, erkennen aber nicht, wie leicht sie in einer attention economy zum Spielball der Interessen werden können. Mitarbeiter bei Google und Facebook haben die besten Absichten, etwa die Welt zu einem besseren Ort für alle zu machen, erkennen dabei aber nicht, wie limitiert ihre Sicht auf die Dinge ist. Zwei Beispiele, die aufzeigen, warum gute Intentionen häufig nach hinten losgehen können. Danah Boyd plädiert dafür, sich ein hacker mindset zuzulegen – sich also stets zu fragen, wie kann das, was ich bezwecken möchte, womöglich manipuliert, ausgetrickst oder gänzlich zerstört werden? When Good Intentions Backfire [Zephoria]

Spectacles jetzt im Online-Store erhältlich

Ab sofort können Snaps Spectacles über den Spectacles-Online-Store bezogen werden. Wer also gern eine dieser Stylo-Snapchat-Brillen kaufen möchte, um für den nächsten Snap allzeit bereit zu sein, kann sich für schlappe 129 Dollar so ein Ding kaufen. Ich würde auch so eine nehmen. Falls mir jemand anonym eine bestellen möchte, meine Adresse ist auf dieser Website zu finden…

Die Analysen als Newsletter (immer Montags)

Immer Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:

Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst du das Briefing hier abonnieren:

Support

Hi, unsere Seite ist frei von Werbung und soll das auch bleiben. Falls dir aber ein Artikel besonders gefallen hat, du eine Analyse für deine Arbeit als hilfreich empfunden hast, dir einfach mein Newsletter total gut gefällt oder du gern unabhängigen Journalismus förderst, freuen wir uns über eine Spende via Paypal:

Vielen Dank!

1 Euro spenden
3 Euro spenden
5 Euro spenden

Sehr großzügig!

7 Euro spenden
10 Euro spenden
25 Euro spenden

Völlig verrückt!

50 Euro spenden
100 Euro spenden
200 Euro spenden

Facebook Pivoting: Welche existenziellen Herausforderungen Facebooks hinter dem Manifest von Mark Zuckerberg stecken

martin Artikel

In einem Artikel an die community hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg wortreich dargelegt, wie er künftig Facebooks Aufgabe in der Welt sieht. Der Artikel fand zwar im Unterschied zu seinen sonstigen Postings auf Facebook deutlich weniger Beachtung von der community, wurde aber dafür von gefühlt so ziemlich jedem Medienunternehmen aufgegriffen und in die Welt getragen.

Die Reaktionen auf das Zuckerbergsche Manifest waren dabei überraschend positiv: als soziales Manifest wurde es gewertet, Zuckerberg würde endlich seine gesellschaftliche Verantwortung erkennen, liest man. Ja, sogar Ambitionen auf das Amt des US-Präsidenten werden dem 32-Jährigen nachgesagt, so politisch sei das Manifest. So philosophisch, sagen andere.

Natürlich stoßen sich auch einige an den geäußerten Vorstellungen Zuckerbergs – eine Gefahr für den Journalismus, sehen manche, über eine Gefahr für die freie Gesellschaft fabulieren andere.

Was allerdings bei all den Betrachtungen, die mir begegnet sind, viel zu kurz kommt, ist die Analyse dessen, was Zuckerberg neben den vermeintlich politischen, altruistischen, humanistischen oder auch düsteren Beweggründen dazu verleitet, Facebooks Zukunft neu auszuloten.

Es geht Mark Zuckerberg um nichts geringeres als Facebooks eigenes Überleben!

Im Folgenden möchte ich ausführlich begründen, wie ich zu der Annahme komme, und darstellen, warum Facebook seine Zukunft verspielen könnte, wenn es jetzt nicht anfängt, sein Geschäftsmodell grundlegend umzubauen.

Facebook wird, wenn es nicht entscheidende Änderungen am Produkt vornimmt, künftig nicht mehr die dominante Rolle spielen, wie es das allgemeine Narrativ vom unverzichtbaren Facebook täglich glauben macht oder die aktuell noch märchenhaften Geschäftszahlen vermuten lassen.

Das alte Facebook

Facebooks Erfolg basiert maßgeblich auf zwei Bausteinen:

Erstens haben sie es wie kein zweites Unternehmen auf der Welt geschafft, die bereits real existierenden Verbindungen zwischen Freunden und Familienmitgliedern in die Online-Welt zu transferieren. Facebook ist der Ort unseres digitalen Ichs.

Zweitens haben sie durch die Erfindung des **News Feeds** ein Internet im Internet gebaut: ein Ort, an dem der Nutzer mit allem bedient wird, was ihn interessiert, ohne dass er auch nur danach suchen müsste. Vielmehr signalisiert der Nutzer durch die Interaktionen mit den Inhalten, die ihn erreichen, was ihn interessiert und bekommt eben genau davon noch viel mehr geliefert. Ganz nebenbei wird der Nutzer dabei auch noch so detailreich digital vermessen, dass Facebook für Werbepartner Möglichkeiten eröffnet, die sie von keiner anderen Firma der Welt geboten bekommen. Targeting at its best.

Facebook hat es auf unnachahmliche Weise vollbracht, den Wunsch nach sozialer Verbundenheit, die Langeweile der Nutzer, die menschliche Gier nach Aufmerksamkeit, und den Reichweiten-Druck der Medienunternehmen durch das Instrument des News Feeds in eine wahre Gelddruckmaschine zu verwandeln.

Facebooks Herausforderungen

Doch die Sache hat einen gewaltigen Haken: Facebook sieht sich seit mindestens zwei Jahren mit zwei durchaus existenzbedrohenden Herausforderungen konfrontiert:

1. Nutzer posten selbst immer weniger und
2. Nutzer interagieren mit Posts von Dritten immer weniger.

Zwei prominente Untersuchungen und die vielfachen Veränderungen des News Feeds zeugen von diesen massiven Herausforderungen.

Nutzer teilen weniger eigene Inhalte

Im Vergleich zum Vorjahr haben Facebook-Nutzer im Jahr 2016 rund 30 Prozent weniger eigene Inhalte geteilt – im Facebook-Sprech ist das sogenannte „original broadcast sharing“ also um fast ein Drittel innerhalb eines Jahres eingebrochen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von MVRCK.

Zu der Kategorie des sogenannten „original broadcast sharing“ gehören etwa Postings, die aufzeigen, dass man einen neuen Job hat, dass man einen fantastischen Urlaub hatte oder dass man bald heiratet. All diese Dinge finden auf Facebook den Beobachtungen zufolge sehr viel weniger statt als früher.

Und auch The Information hatte bereits im vergangenen Jahr darüber berichtet, dass das „original broadcast sharing“ von Mitte 2014 bis Mitte 2015 um fast 21 Prozent zurückgegangen war.

Nutzer interagieren weniger mit Inhalten

Zudem interagieren Leute sehr viel weniger mit den Postings von Dritten: 2016 waren es im Vergleich zum Vorjahr 16 Prozent weniger Interaktionen. Dabei ist die Anzahl von Likes um 8 Prozent pro Nutzer gesunken, bei den Shares sind es um die 28 Prozent und bei Kommentaren sogar fast 37 Prozent.

Die Gründe sind vielfältig

Das Ausbleiben der eigenen Postings und die geringeren Interaktionsraten haben verschiedene Gründe:

  • Die schiere Masse an Kontakten führt dazu, dass sich Facebook insgesamt weniger intim anfühlt – die Bereitschaft, etwas Privates zu posten, geht damit zurück.
  • Die Anzahl an institutionellen Anbietern und das Aufkommen von Werbung hat zur Folge, dass Facebook sich stets weiter davon entfernt, eine gemütliche Runde zu sein – vielmehr wähnt man sich in der Einkaufszone einer Metropole.
  • Leute nutzen sehr viel mehr Messenger, um mit Freunden zu kommunizieren, Gruppen für Geburtstage zu kreieren oder Fotos auszutauschen. Messenger suggerieren, mehr Privatsphäre zu bieten.
  • Leute nutzen zudem sehr stark Facebook-Gruppen, um sich zu einem bestimmten Thema, respektive in einer bestimmten Peer-Group auszutauschen. Die Gruppen können dabei geschlossen oder auch offen sein – der News Feed jedenfalls wird dadurch umgangen.

Facebook in Bedrängnis

Zwar gehören die populärsten Messenger (Messenger und WhatsApp) zum Facebook-Imperium, jedoch lässt sich mit ihnen aktuell noch nicht annähernd das erwirtschaften, was Facebook mit seinem guten alten News Feed verdient. Und auch die beliebten Gruppen auf Facebook lassen sich aktuell noch nicht monetarisieren, sind Gruppen doch ebenfalls ein News Feed freier Raum (bislang). The Information schreibt: Für Facebook ist der Rückgang beim „orignal broadcast sharing“ und bei den Interaktionen ein echter „long term threat“.

If people don’t feel the need to contribute their own content, there may be less-compelling posts for people to view over time. That could gradually erode usage of Facebook.The Information

Was Facebook dagegen unternimmt

Facebook hat die letzten Jahre natürlich mit aller Konsequenz versucht, diesen Trends entgegenzuwirken – und das zum Teil auch mit Erfolg. Zu den prominentesten Einfällen, wie Nutzer zu mehr eigenen Postings und zu mehr Interaktionen verleitet werden sollten, zählen folgende Produktneuerungen:

  • Die Einführung von Reactions, um eine größere Bandbreite an Reaktionen auf Postings zu ermöglichen
  • Die Veränderung der Update-Box, um Nutzern mehr Ideen an die Hand zu geben, was sie posten könnten
  • Prominente Änderung des News Feeds (Priorisierung von Videos, Priorisierung von Live-Videos, Priorisierung von Postings von Freunden und Familienmitgliedern, Einführung von Erinnerungen an bestimmte Ereignisse, uva…)
  • Die Einführung von Instagram Stories = eine perfekte Kopie von Snapchats Stories, die innerhalb kürzester Zeit 150 Millionen aktive Nutzer verbuchen konnte (was übrigens der Gesamtheit aller monatlichen Nutzer von Snapchat entspricht)
  • Die Einführung der Story-Funktion (probehalber) bei Facebook (Facebook Stories), bei WhatsApp (WhatsApp Status) und beim Messenger (Messenger Day).

Ob all diese Veränderungen von längerfristigem Erfolg gekrönt sein werden, bleibt mit Blick auf die Tendenzen der letzten zwei Jahre eine Wette, die Mark Zuckerberg wohl so nicht mehr eingehen möchte.

Broken News Feed

Wenn Leute auf Facebook vor allem Inhalte von Dritten teilen, in aller Regel von professionellen Anbietern wie Stars und Medienunternehmen,

  • dann wird Facebook immer weniger zu einem sozialen Netzwerk und mehr und mehr zu einer Verteilstation von Medieninhalten, also einem reinen Distributionskanal von professionellen Medieninhalten
  • dann wird Facebook mittelfristig womöglich immer weniger attraktiv für reguläre Nutzer, die eigentlich vor allem Updates von Freunden und Verwandten wollen und keine professionellen Medieninhalte.
  • dann wird der News Feed zunehmend weniger relevant für Werbetreibende und Medienunternehmen, die sich über Paid Posts gute Platzierungen erkaufen.
  • und damit wird der News Feed die längste Zeit die dominante Gelddruckmaschine für Facebook gewesen sein.

Für Facebook eine existentielle Bedrohung.

Das digitale Wir als Lösung?

Also muss Facebook dem Nutzerverhalten Tribut zollen und sich neu erfinden. Das dominanteste Muster, das sie dem Artikel von Zuckerberg zufolge erkannt haben, ist das Nutzen von Gruppen und dem damit verbundenen Potential. Wenn sich also Facebook ein Stück weit davon löst, sich primär über den News Feed zu definieren, das Internet im Internet zu sein, sich aber zurecht nicht davon löst, die Infrastruktur für das digitale Ich von Milliarden Menschen zu sein, dann sind sie in der Tat dabei, einen entscheidenen Schritt in eine erfolgsversprechende Zukunft zu gehen.

Etwas genauer betrachtet könnte für Facebook der nächste Schritt darin bestehen, öffentliche, aber in sich abgeschlossene Räume zu schaffen, in denen sich Menschen mit allen nur erdenklichen Werkzeugen zu einem bestimmten Thema, einer bestimmten Idee, einem bestimmten Wunsch begegnen, austauschen und organisieren können.

Diese Gruppen könnten dann zu allen nur erdenklichen Dingen existieren. Dinge, die aktuell noch mehrheitlich in der analogen Welt bestehen, und eben noch nicht mit aller Konsequenz in ein digitales Ich überführt worden: Fußball-Vereine, Gewerkschaften, Schulklassen, Uni-Gruppen, Naturschützer, Parteien, soziale Bewegungen – halt so ziemlich alles, was Zuckerberg in seinem Artikel benennt: von supportive bis zu civically-engaged communities.

Erinnern wir uns: Wenn Facebooks Erfolg bislang darauf aufbaute, dass Menschen auf Facebook ihr digitales Ich haben, dann wäre es nur der nächste logische Schritt für Facebook, den noch nicht digitalisierten Beziehungen von Menschen nun ein digitales Wir zu verpassen.

Wie Facebook dann diese digitalisierten Beziehungsgeflechte in Form von Gruppen oder Pages zu Geld machen möchte, bleibt spannend. Klar ist jedenfalls, dass Facebook auf die Trends reagieren muss, die sich seit Jahren deutlich abzeichnen. Nur wenn sie es schaffen, sich von ihrem primären Geschäftsmodell „Digitalisiertes Ich trifft auf Internet im Internet“ ein Stück weit zu lösen, können sie meinem Verständnis nach nachhaltig bestehen bleiben.

Facebook pivoting

Im Silicon Valley gibt es das schöne Wort Pivoting. Wenn ein Start-Up pivoted, dann baut es sein Geschäftsmodell radikal um, verabschiedet sich von einer ursprünglichen Idee. Vielleicht erleben wir gerade ein kleines Pivoting von Facebook. Die PR-Profis rund um Mark Zuckerberg aber sind natürlich gewieft genug, dieses Pivoting in einem maximal hellen Schein erstrahlen zu lassen, auf das er alle blenden möge.

Und bezüglich der Präsidentschaftskandidatur sei noch einmal Zuckerbergs Lieblingsspruch erwähnt, den er sich übrigens von Bill Gates ausgeliehen hat: Wir überschätzen permanent, was wir in zwei Jahren schaffen können, unterschätzen aber, was in zehn Jahren möglich ist.

Vielleicht würde in zehn Jahren niemand mehr auf die Idee kommen, dass es für Zuckerberg interessant sein könnte, US-Präsident zu werden. Nämlich dann, wenn Facebook weit über die Grenzen der USA hinaus so fest in persönliche und gesellschaftliche Strukturen integriert ist, dass es kein mächtigeres Amt geben könnte, als der Chef von Facebook zu sein.

-m-

Über den Autor

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist, Blogger und Social Media Stratege. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: facebook | twitter

Die Analysen als Newsletter (immer Montags)

Immer Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:

Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst du das Briefing hier abonnieren:

Support

Hi, unsere Seite ist frei von Werbung und soll das auch bleiben. Falls dir aber ein Artikel besonders gefallen hat, du eine Analyse für deine Arbeit als hilfreich empfunden hast, dir einfach mein Newsletter total gut gefällt oder du gern unabhängigen Journalismus förderst, freuen wir uns über eine Spende via Paypal:

Vielen Dank!

1 Euro spenden
3 Euro spenden
5 Euro spenden

Sehr großzügig!

7 Euro spenden
10 Euro spenden
25 Euro spenden

Völlig verrückt!

50 Euro spenden
100 Euro spenden
200 Euro spenden

#Briefing: Facebook-Nutzer deutlich weniger aktiv, Fake News hart umkämpft, Plattformen und ihre Frohlockungen

martin Briefing

Studie: Facebook-Nutzer deutlich weniger aktiv

Warum schraubt Facebook eigentlich permanent am News Feed? Und wieso kommen sie gefühlt jede Woche mit neuen Features um die Ecke? Und vor allem: Warum versuchen sie aktuell mit so einem enormen PR-Aufwand, dem Thema Fake News Herr zu werden? Nun, eine Auswertung von 25 Millionen Facebook-Postings zeigt, in was für einem permanenten Kampf um Aufmerksamkeit sich auch Facebook trotz Rekord-Einnahmen befindet:

  • 2016 haben Nutzer satte 30 Prozent weniger eigene Inhalte geteilt. 30 Prozent!
  • Das User Engagement hat 2016 im Vergleich zum Vorjahr um stolze 15 Prozent pro Posting abgenommen.
  • 8 Prozent weniger Likes pro Post, 37 Prozent weniger Kommentare pro Post und 28 Prozent weniger Shares pro Post.

Zum Ende des Jahres hat Facebook dann ein Stück weit die Wende hinbekommen, vor allem weil sie Clickbait den Kampf angesagt hatten und den Postings von Freunden und Familie wieder mehr Gewicht einräumten.

Auch die Bemühungen, Fake News einzudämmen, zielen darauf ab, das Engagement im News Feed wieder anzukurbeln. Schon irre, dass dabei ausgerechnet traditionelle Medienunternehmen unentgeltlich helfen sollen, ist doch ihr Geschäftsmodell auch durch Facebooks Marktmacht massiv ins Wanken geraten. [MAVRCK]

Hart umkämpft: Die Fake-News-Front

Wer dieser Tag gegen Fake News ins Feld zieht, kann doch eigentlich nur auf der richtigen Seite stehen – Fake News sind böse, die Aufklärer sind die Guten, so das gängige Narrativ. Doch ganz so einfach verhält es sich leider nicht. Vielmehr wird immer deutlicher, dass die Front beim Thema Fake News hart umkämpft ist. Welche Wahrheit sich behaupten kann, hängt eben stark mit der Einschätzung zusammen, was überhaupt Fake News sind – da kann man ja durchaus unterschiedlicher Meinung sein, wie der neue US-Präsident Tag für Tag eindrucksvoll beweist. [Guardian]

+ Die Geschichte zu dem Typen aus Mazedonien, der nun für alle Zeiten als das Gesicht herhalten muss, wenn es um die Frage geht, wie einfach man Fake News produzieren kann. [Wired]

Frohlockungen und andere Versprechen

Unternehmen wie Apple, Facebook und Google haben allergrößtes Interesse daran, dass Medienunternehmen bei ihnen stattfinden – gern mit maßgeschneiderten Inhalten für die jeweiligen Plattformen, respektive Apps. Die Inhalte-Anbieter selbst haben zwar in aller Regel davon keinen direkten Nutzen, versprechen sich aber Reichweite und langfristig auch finanzielle Einnahmen. Was das an sich für ein Dilemma ist, habe ich Anfang der Woche bei uns im Blog beschrieben: Das Facebook Paradoxon. Wie Plattformen die Medienunternehmen dazu aber doch immer wieder kriegen, beschreibt [Digiday].

Der Vollpfosten der Woche

Ist YouTuber PewDiePie nun ein Antisemit, ein Teenieschwarm oder einfach nur ein erfolgsgeiler Dummkopf? Vermutlich am ehesten eine Mischung aus Zwei und Drei. Aber nach seinen völlig übers Ziel hinausgeschossenen Videos darf er sich nicht wundern, wenn ihm Disney und YouTube nun den Geldhahn zudrehen. Vielleicht auch nicht so schlimm, wenn er jetzt mit YouTube aufhört – ihm war das ja eh alles auch viel zu anstrengend mit dem permanten Vortäuschen von guter Laune. [Zeit Online]

Die Analysen als Newsletter (immer Montags)

Immer Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:


Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst du das Briefing hier abonnieren:

Support

Hi, meine Seite ist frei von Werbung und soll das auch bleiben. Falls dir aber ein Artikel besonders gefallen hat, du eine Analyse für deine Arbeit als hilfreich empfunden hast, dir einfach mein Newsletter total gut gefällt oder du gern unabhängigen Journalismus förderst, freue ich mich über eine Spende via Paypal:

Vielen Dank!

1 Euro spenden
3 Euro spenden
5 Euro spenden

Sehr großzügig!

7 Euro spenden
10 Euro spenden
25 Euro spenden

Völlig verrückt!

50 Euro spenden
100 Euro spenden
200 Euro spenden

#Briefing: Diese App macht Facebook-Stalking zum Kinderspiel | Das Twitter der anderen | Breaking News auf Snapchat

martin Briefing

Welchen Wert haben unsere Daten?

Facebook verdient Millionen mit den Informationen, die wir täglich auf der Seite teilen. Jeder Like, jeder Klick und jede Verlinkung machen uns noch besser durchschaubar und erhöhen unseren Wert für zielgerichtete Werbe-Anzeigen. Wäre es da nicht sinnvoll, ein Stück vom Kuchen abzubekommen? Sollte Facebook nicht eigentlich uns dafür bezahlen, dass wir unsere Daten preisgeben? Warum diese Idee nur auf den ersten Blick clever ist und weshalb es vielleicht besser wäre, unsere Daten gleich direkt einzufordern, steht hier. [L.A. Times]

Wie wir dann ganz konkret an unsere eigenen Daten bei Facebook kommen können, weiß Paul-Olivier Dehaye – er hat Facebook mithilfe europäischer Rechtsvorschriften dazu gezwungen, sie ihm auszuhändigen. Hier erklärt er, wie jeder von uns herausfinden kann, welche Unternehmen uns dank Facebook verfolgen und wozu sich diese Informationen noch alles nutzen lassen. [Medium]

So sehen Breaking News auf Snapchat aus

Kooperationspartner gibt es in Snapchats Discovery-Bereich, böse gesagt, fast mehr als Nutzer. Die Washington Post ist jedoch der erste Partner, der die, zuletzt nicht nur erfolgreiche, App mehrfach täglich mit harten News versorgen soll. Die Informationen der WaPo sollen betont seriös und nachrichtlich sein – in der gemeinsamen Ankündigung werden weltweit wichtige Themen und politische Berichterstattung besonders in den Mittelpunkt gestellt. Ob das Angebot wirklich gegen Facebooks Instagram-Offensive helfen wird? Wir wissen es noch nicht. Wie die Geschichten aber aussehen und funktionieren sollen, steht hier. [Washington Post]

Das Twitter der anderen

Eines der größten Schlagwörter unserer Zeit: Die Filterbubble. Inzwischen gibt es verschiedenste Projekte, die sie für uns aufbrechen wollen. Die Washington Post berichtet regelmäßig aus „blauen“ und „roten“ Filterblasen und der linksliberale Guardian hält sich einen eigenen Kolumnisten für ausgewählte konservative Blinkwinkel. Am MIT versucht man es jetzt etwas praktischer und lebensnaher – das Projekt „Flipfeed“ will mithilfe einer Chrome-Erweiterung zeigen, wie der Twitterstream bei anderen, ganz normalen Nutzern aussieht. Dabei werden die Austausch-Twitter bewusst in links und rechts eingeteilt. Wer herausfinden will, wie das Twitter der anderen aussieht, kann es hier einmal probieren. [MIT Media Lab]

Weitere Leseempfehlungen
  • Als Facebook 2013 die Graph Search einführte, waren viele Nutzer entsetzt, wieviele Informationen damit plötzlich leicht auffindbar wurden. Kurze Zeit später verschwand die Super-Suche wieder. Diese Seite bringt sie jetzt wieder zurück. Creepy. [Motherboard]
  • Medium galt einmal als Blog-Plattform der Zukunft. Ein paar Jahre später steckt die Seite jedoch tief in der Krise – Business Insider erzählt, warum das so ist. [Business Insider]
  • Für viele Muslime spielt die Familie bei der Partnerwahl immer noch eine große Rolle – wer ihr entkommen will, sucht sein Glück oft auf Instagram und Co. [Buzzfeed]
  • Facebook ist längst zu einem Sammelsurium an verschiedenen Diensten und Angeboten geworden. Warum es da vielleicht ganz gut wäre, die „News“ vom „Newsfeed“ zu trennen, beschreibt Irina Raicu hier. [recode]

Die Analysen als Newsletter (immer Montags)

Immer Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:

Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst das Briefing hier abonnieren:

Support

Hi, meine Seite ist frei von Werbung und soll das auch bleiben. Falls dir aber ein Artikel besonders gefallen hat, du eine Analyse für deine Arbeit als hilfreich empfunden hast, dir einfach mein Newsletter total gut gefällt oder du gern unabhängigen Journalismus förderst, freue ich mich über eine Spende via Paypal:

Vielen Dank!

1 Euro spenden
3 Euro spenden
5 Euro spenden

Sehr großzügig!

7 Euro spenden
10 Euro spenden
25 Euro spenden

Völlig verrückt!

50 Euro spenden
100 Euro spenden
200 Euro spenden

#Briefing: Ohne Passwort keine Einreise | Ist Snapchat das neue Apple? | Verschwörungstheorien auf Twitter

martin Briefing

Ohne Passwort keine Einreise

Der Trump’sche Einreisestopp liegt noch auf Eis, da kündigen sich neue Probleme an. Ein NASA-Ingenieur wurde am Flughafen von Houston festgehalten und trotz amerikanischer Staatsbürgerschaft und beruflicher Einreiseerleichterungen nicht ins Land gelassen. Erst nachdem er den Beamten den Zugangscode zu seinem Smartphone und damit allen darauf gespeicherten Daten und Zugängen verriet, durfte er weiter reisen. [The Atlantic]

Die Frage nach dem Passwort für das Smartphone oder einschlägigen sozialen Netzwerken könnte also in Zukunft häufiger an amerikanischen Flughäfen gestellt werden. In Zeiten, in denen unsere Telefone die Verlängerung unserer selbst geworden sind, kommt das einem schweren Einriff in die Privatsphäre gleich. Viel schlimmer noch: Die Aussicht auf eine mögliche Kontrolle könnte zu vorauseilender Selbstzensur und damit einer starken Einschränkung der Meinungsfreiheit führen. [Slate]

Ist Snapchat das neue Apple?

Snapchat ist im Leben angekommen, vieles ist erzählt, es wird ruhiger um das Netzwerk. „Auch die re:publica wird sicherlich das ein oder andere Snapchat-Panel enthalten, dieses Mal vielleicht ohne Erklärbär-Geschichten,“ schreibt Philipp Steuer auf seinem Blog. Und der Hauptgrund dafür ist der Killer-move von Facebook, Instagram Stories einzuführen. Das hat zwar Snapchat nicht erledigt, aber doch in Bedrängnis gebracht, weil für viele Instagram praktischer ist. Was Snapchat braucht, sind neue Features, die die Handhabung und Nutzung für User und Werbekunden verbessern (Suche, Filter, Datenauswertung und Augmented Reality). Gerade letzteres sieht Philipp dabei als Stern am Snap-Horizont: Hardware, insbesondere für AR. [Philipp Steuer]

Ob Snap das genauso sieht, wissen wir nicht. Aber das kürzlich veröffentlichte S-1 Registration Statement für den Börsengang läßt einige Dinge erkennen. Zum einen geht es Snap aktuell ähnlich wie Twitter; es verliert viel Geld, sein Wachstum stagniert und es verliert Einfluss. Den Schluss, den Snap daraus aber zu ziehen scheint, bezeichnet Ben Thompson als Lebkuchenmann-Strategie: „Run, run, run as fast as you can. You’ll never catch me, I’m the gingerbread man.“

Denn Snap will innovative und differenzierte Produkte entwickeln, deren Entwicklung zwar teuer ist, aber die besten Kunden anzieht … und somit Profit generiert. In der Analogie von Thompson wird Snapchat damit zu Apple und Facebook … zu Microsoft. Das funktioniert aber nur, wenn Snap seinen Wechsel hin zu Hardware wirklich erfolgreich umsetzen kann. [Stratechery]

Die „logischeren“ Verschwörungstheorien

Gibt es eine Verbindung zwischen Trump und Putin? Die „blue detectives“ versuchen es heraus zu finden und befeuern auf Twitter massenhaft linke Verschwörungstheorien. Die Möchtegern-Detektive hangeln sich von Fakten zu unbestätigtem Halbwissen und weiter zu wagen Vermutungen. Endlose Twitter-Threads zur vermeintlichen Russland-Connection oder der Unterwanderung der Universitäten durch Trump und Co werden X-mal retweeted. Dabei berufen sich die „blue detectives“ darauf, nur die Wahrheit ans Licht bringen zu wollen und legitimieren ihre Logik mit den Lügen der Gegenseite – bis hin zu (indirekten) Anschuldigungen an die Mainstream-Medien, ihren Job nicht richtig zu machen. Klingt wie pizza-gate all over – nur anders herum.[BuzzFeed]

Weitere Leseempfehlungen
  • Wie man Facebooks Daten- und Energiehunger auf dem Smartphone umgehen kann: Facebook ohne Facebook-App [mobilsicher]
  • Dem Datenhunger trotzen ist das eine, wem aber gehören eigentlich all die Daten, die soziale Netzwerke über mich sammeln? [irights info]
  • Auf der Suche nach dem perfekten Digital-Assistenten. [venturebeat]
  • Machen soziale Netzwerke despressiv? Eine Studie aus den USA scheint das zu bestätigen – vor allem bei jungen Mädchen. [NPR]

Die Analysen als Newsletter (immer Montags)

Immer Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:

Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst du das Briefing hier abonnieren:

Support

Hi, meine Seite ist frei von Werbung und soll das auch bleiben. Falls dir aber ein Artikel besonders gefallen hat, du eine Analyse für deine Arbeit als hilfreich empfunden hast, dir einfach mein Newsletter total gut gefällt oder du gern unabhängigen Journalismus förderst, freue ich mich über eine Spende via Paypal:

Vielen Dank!

1 Euro spenden
3 Euro spenden
5 Euro spenden

Sehr großzügig!

7 Euro spenden
10 Euro spenden
25 Euro spenden

Völlig verrückt!

50 Euro spenden
100 Euro spenden
200 Euro spenden

Das Facebook Paradoxon | Analyse

martin Artikel

Zarte zehn Jahre ist es alt und bereits jetzt ist das Smartphone für die Mehrheit der Menschen in Deutschland das wichtigste Werkzeug, um ins Internet zu gehen. Vor allem Facebook dient bei der mobilen Nutzung des Internets als die zentrale Verteilstelle von Aufmerksamkeit. Für Milliarden Menschen ist Facebook deshalb de facto zum neuen Gatekeeper für Informationen und Unterhaltung geworden.

Wenn traditionelle Medienunternehmen auf mobilen Endgeräten ebenfalls eine Rolle spielen wollen, dann sind sie also mehr als gut beraten, ebenfalls auf Facebook aktiv zu sein. Der erste Haken: Allein Facebook bestimmt über die Spielregeln, welche Inhalte in welcher Form beim Nutzer ankommen. (In einem früheren Newsletter habe ich diesen Mechanismus ausführlich beschrieben: Mind the Crap). Dass sie für gute Sichtbarkeit auf Facebook durchaus kräftig in die Tasche greifen, zeigen diese Zahlen.

Das oberste Ziel von Facebook ist es dabei, den Nutzer so lange wie möglich auf der eigenen Plattform zu halten. Nur dort hat Facebook die Chance, den Nutzern Werbung anzuzeigen – für Facebook ein fantastisches Milliarden-Geschäft.

Damit die Nutzer die Plattform also nach Möglichkeit nicht verlassen, werden in Facebooks Internet – dem News Feed – vornehmlich die Inhalte angezeigt, die auf Facebook selbst erlebbar sind: Fotos, (Live-) Videos, Status-Updates. Links zu externen Websites sind möglich, aber eigentlich nicht wirklich in Facebooks Interesse.

Der zweite Haken: So ziemlich alles, was auf Social-Media-Plattformen aktuell an nativen Inhalten von traditionellen Medienunternehmen geteilt wird, ist jedoch ein Geschenk ans Publikum und an Facebook selbst. Kaum etwas von den Videos, Grafiken und Fotos, die durch unsere News Feeds rauschen, lässt sich auch nur annähernd gegenfinanzieren.

Wenn sich also die geteilten Inhalte nicht gegenfinanzieren lassen, warum machen traditionelle Medienunternehmen dann da mit? Nun, sie zocken, sie wetten, sie hoffen auf eine der beiden Konsequenzen, die aus ihrem Handeln resultieren:

A) Brand Awareness: Der Nutzer soll im besten Fall registrieren, wer der Absender des Inhalts ist und eine positive Einstellung zur Marke entwickeln. Das erinnert stark an klassische Fernsehwerbung. Nur ist der Absender dank Facebooks Design-Vorstellungen bei weitem nicht so deutlich zu erkennen wie das im TV der Fall ist. Den Satz „Das habe ich bei Facebook gesehen“ dürften wir alle bereits einmal gesagt haben.

B) Finanzielle Beteiligung: Sollte Facebook tatsächlich einmal damit beginnen, Inhalte-Anbieter an den Werbeeinnahmen aqäquat zu beteiligen (bislang ist das nicht der Fall), will man mit einer bereits gefestigten Position im Spiel vertreten sein. Dann erst einzusteigen und um Reichweite zu buhlen, könnte zu spät sein. Also wirft man sich jetzt schon in den Kampf um Aufmerksamkeit.

Ob aber (A) tatsächlich funktioniert, ist wahrlich schwer zu messen. Und ob (B) eintritt, liegt nach jetztigem Stand absolut nicht in der Hand der traditionellen Medienunternehmen – darüber entscheidet Facebook, allein. Oder etwa doch nicht?

Was wäre, wenn traditionelle Medienunternehmen versuchen würden gemeinschaftlich Druck auf Facebook auszuüben? Sie könnten sich etwa als Kollektiv von Facebook zurückziehen – zumindest solange bis sie in einem vernünftigen Rahmen von den Werbe-Milliarden profitieren. Ideen dieser Art kursieren bereits in deutschen Vorstandsetagen. Facebook – so die Sinn-stiftende These – sei ohne die professionell erstellten Inhalte für die Nutzer sehr viel weniger interessant.

Um das zu realisieren, müsste allerdings ein Ruck durch Medien-Deutschland gehen. Es müsste. Wird aber wohl nicht. Zu groß ist die Sorge, den Anschluss zu verpassen. Zu groß ist die Angst vor einem zweiten Leistungsschutzrecht-Debakel. Zu groß ist die Feindschaft und das Misstrauen untereinander.

Wie könnten also alternative Lösungsansätze aussehen, damit sich das Agieren auf Social Media für traditionelle Medienunternehmen auszahlt?

# Sie könnten versuchen, mehr direkte Verbindungen zum Publikum über Social Media aufzubauen. Dafür bedarf es aber weniger Crap und mehr Community-Engagement. (Siehe Mind The Crap)

# Sie könnten verlässliche Metriken kreiieren, die Gesamt-Reichweiten aufzeigen, um dadurch der Werbeindustrie zu beweisen, wie viele Menschen die traditionellen Medienangebote über ihre Einschaltquoten und Website-Klicks hinaus erreichen.

# Sie könnten mit Facebook in Gespräche einsteigen, um sich für Inhalte in Form von Lizenzen bezahlen zu lassen. Solche Modelle sind bereits bei Snapchat erprobt und könnten demnächst auch in ersten Gehversuchen bei Facebook zu finden sein.

# Sie könnten auf Facebook an einem speziellen Ort außerhalb des News Feeds stattfinden – so könnten sie wenigstens sicher gehen, dass ihre Inhalte und ihre Marke sehr viel klarer vom Nutzer wahrgenommen werden. Bei Snapchat gibt es auch diesen Ort bereits: Discover.

Wie es auch kommen mag: Fakt ist, das Facebook Paradoxon betrifft so ziemlich alle traditionellen Medienanbieter in Deutschland. Ohne Facebook geht es nicht. Aber „so“ vielleicht auch nicht mehr lange. Viel Zeit für Wetten bleibt nicht mehr.

-m-

Über den Autor

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist, Blogger und Social Media Stratege. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: facebook | twitter

Die Analysen als Newsletter (immer Montags)

Immer Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:

Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst du das Briefing hier abonnieren:

Support

Hi, meine Seite ist frei von Werbung und soll das auch bleiben. Falls dir aber ein Artikel besonders gefallen hat, du eine Analyse für deine Arbeit als hilfreich empfunden hast, dir einfach mein Newsletter total gut gefällt oder du gern unabhängigen Journalismus förderst, freue ich mich über eine Spende via Paypal:

Vielen Dank!

1 Euro spenden
3 Euro spenden
5 Euro spenden

Sehr großzügig!

7 Euro spenden
10 Euro spenden
25 Euro spenden

Völlig verrückt!

50 Euro spenden
100 Euro spenden
200 Euro spenden

Snapchat: Killing TV Softly | Analyse

martin Artikel

Der erste Wahnsinn: Snap Inc möchte an die Börse und drei Milliarden Dollar einsammeln. Das würde den Wert von Snapchats Mutterhaus mit 25 Milliarden Dollar beziffern – und Snap Inc damit zu einem der Top – Medien / Technologie – Unternehmen der Welt werden lassen.

Der zweite Wahnsinn: Snapchat ist weiterhin für viele Journalisten ein rotes Tuch. Die Allermeisten haben die App noch nie selbst genutzt, gar noch nicht einmal heruntergeladen und ausprobiert. Vielleicht maximal der Nichte beim Snappen über die Schulter geschaut. Aber warum auch? Wir haben doch bei uns in der Redaktion die Social-Media-Kollegen. Die machen das alles.

Nun, man muss als Journalist nicht jeden Hype mitmachen, völlig klar. Sich aber über die massiven Umbrüche in der eigenen Branche Gedanken zu machen, kann sich durchaus lohnen. Snapchat jedenfalls ist einer der prominentesten Katalysatoren dieser Umbrüche – und einer der spannendsten zugleich. Von daher ist ein genauerer Blick definitiv angebracht!

Snapchat hat sich der Legende nach zunächst als App unter High School Kids in den USA einen Namen gemacht, weil diese sich so wahnsinnig gern Fotos hin- und herschicken wollten, die ganz schnell wieder verschwinden sollten. Was das für Fotos sind, kann sich jeder selbst ausmalen. Ephemeral lautet jedenfalls das Stichwort.

Und tatsächlich: Snapchat vermochte es, sich durch das Versprechen der Vergänglichkeit von Nachrichten als absoluter Gegenpol zu Facebook zu etablieren. Der Grund für den Erfolg scheint simpel: Während Facebook alles daran setzte, der Ort für Identität im Internet zu werden, konnte Snapchat sich genau um diejenigen bemühen, die das Gegenteil wollten: Vergänglichkeit und gefühlt mehr Privatsphäre.

Nun hat sich Snapchat in den vergangenen Jahren von dieser Grundidee zwar nicht verabschiedet, seine Features aber um so viele Facetten erweitert, dass es mittlerweile für viele Menschen zu einer der spannendsten Apps dieser Tage geworden ist – nicht nur zum Verschicken von Foto-Nachrichten. Im Schnitt nutzen täglich rund 158 Millionen User die App – mit den meisten Nutzern in den USA, dicht gefolgt von Europa.

Snapchats Mutterkonzern Snap Inc. definiert sich als Kameraunternehmen und möchte mit Snapchat die Nummer-Eins-Kamera-App jedes Smartphone-Nutzers werden. Dafür arbeitet Snapchat kontinuierlich an neuen Speicher- und Erzählmöglichkeiten, sowie Effekten, die Nutzer zum Dranbleiben motivieren und zu mehr Kreativität beim Erstellen von Fotos und Videos verleiten sollen. Auch die Entwicklung der Spectacles passt hier ins Bild.

Für Medienmacher aber wesentlicher interessanter sind die Features, durch die sich Snapchat ebenfalls massiv von Facebook abhebt: der Discover-Bereich mit professionell erstellten Inhalten und die Live-Events.

Während Facebook via News Feed alle, die Facebook nutzen wollen, unweigerlich miteinander in Konkurrenz bringt (in meinem Newsletter 03/2017 habe ich diesen Mechanismus in aller Ausführlichkeit beschrieben) und es eben keinen dezidierten Platz für professionell erstellte Inhalte gibt, erfolgt der Konsum von Inhalten bei Snapchat auf eine komplett andere Weise:

Bei Snapchat entscheidet kein Algorithmus über die Wertigkeit von einzelnen Beiträgen, respektive darüber, welche Inhalte beim Nutzer ankommen. Vielmehr gibt es drei prominente Ideen, wie Inhalte bei Snapchat erlebt werden können.

1. Im regulären Feed laufen all die Fotos, Videos und Erzählungen von den Personen chronologisch ein, die man abonniert hat. Wer auf dem Laufenden bleiben will, sollte spätestens innerhalb von 24 Stunden die App wieder öffnen. Hallo Ephemeral! (Was für ein unglaublich starker Hook, damit die Nutzer die App möglichst oft nutzen. So klug konzipiert. Ehrlich.)

2. Zudem bekommen Nutzer häufig von einem Team von Snapchat aggregierte Erzählungen rund um ein bestimmtes Event geliefert. Das kann eine Sport-Veranstaltung sein, eine Modenschau oder ein Kinoevent. Durch die Kameras von den unterschiedlichsten Akteuren, die in eben jener Situation vor Ort individuell snappen, entsteht eine Gesamt-Erzählung des Events.

3. Im Discover-Bereich bieten traditionelle und neue Medienhäuser professionelle Inhalte an, die speziell für Snapchat konzipiert sind. Das erfordert von den Anbietern einen hohen Einsatz an finanziellen Mitteln, sowohl für die technische Realisierung als auch den zusätzlichen Personal-Aufwand. Das neueste Mitglied der Discover-Sektion ist die altehrwürdige New York Times.

Und genau hier wird es richtig spannend: Snapchat hatte im vergangenen Oktober einen Strategiewechsel angekündigt, was den Discover-Bereich angeht. Zuerst mussten Medienunternehmen darum buhlen (auch finanziell), in diesem Bereich vertreten zu sein, da die Anzahl der Discover-Partner von Snapchat nun einmal limitiert ist. Das Ziel der Medienunternehmen: junge Zielgruppen ansprechen und via selbst ausgehandelter Werbe-Deals innerhalb der Stories bei Discover Geld verdienen. Jetzt aber möchte Snapchat die Anbieter dafür bezahlen, bei Discover dabei zu sein, behält dafür allerdings sämtliche Werbeeinnahmen für sich.

Dieses Vorgehen erinnert in vielerlei Hinsicht an das traditionelle TV-Geschäft – und genau das scheint auch der Plan zu sein: Killing TV softly. In Snaps IPO Filing heißt es:

We believe that one of the major factors driving this growth is the shift of people’s attention from their televisions to their mobile phones.Snap Inc.

Um in diesem Umbruch Erfolg zu haben, lässt sich Snapchat für den Discover-Bereich einiges einfallen: So gibt es dort etwa zwei Marken, „Brother“ und „Sweet“, die nicht nur originäre Inhalte für Snapchat produzieren, sondern gänzlich exklusiv auf Snapchat zu finden sind. Dabei wird „Brother“ etwa von Vertical Networks produziert, einem Unternehmen von Elisabeth Murdoch, Tochter des Fox-Gründers Rupert Murdoch. Mit über 40 Prozent einer der größten Anteilseigner von Vertical Networks: Snapchat selbst.

Damit lässt Snapchat also im großen Unterschied zu Facebook bereits Inhalte für die eigene Plattform selbst produzieren – als Incentive für die Nutzer, um die App noch mehr zu nutzen.

Aber auch in Deals mit bereits etablierten Anbietern ist Snapchat nicht zurückhaltend: So hat Snapchats Team bereits mit NBCUniversal Absprachen getroffen, wonach es demnächst Snapchat-Shows von „The Tonight Show,” “The Voice” and “Saturday Night Live” geben wird. Auch mit anderen Medienhäusern sei man im Gespräch.*

Für den Nutzer ist dieses Gesamtpaket dann mehr als „convenient“: Es lässt sich via Snapchat mit Freunden chatten, telefonieren, absurde Fotos austauschen. Auch können über Snapchat Fotos geschossen, bearbeitet und in der Memories-Sektion gespeichert und gesammelt werden. Zudem kann man im Discover-Bereich Fernseh-ähnliche, aber eben zu 100 Prozent Smartphone gerechte, Inhalte erleben, die es womöglich zudem auch nur auf Snapchat gibt.

Zudem: Wer die Snapchat-Welt betritt, muss sie nicht mehr verlassen. Und kann es auch nicht. Auf Snapchat gibt es keine Links nach draußen. Was auf Snapchat passiert, bleibt auf Snapchat. Ein optimaler Hebel – auch um Werbetreibende auf die Plattform zu locken. Zwar sind die Verluste noch enorm, aber Snapchat hat es innerhalb von fünf Jahren geschafft, eine App zu entwickeln, die über 400 Millionen Dollar an Werbeeinnahmen generiert hat. Geld, das an anderer Stelle fehlt: Bei Facebook und bei traditionellen Fernsehsendern.

Der große Unterschied zu Facebook besteht mit Blick auf die Monetarisierung der App übrigens darin, dass Snapchat eben kein gezieltes Targeting für direktes Marketing anbietet. Vielmehr geht es um generelle Brand Awareness – was auch der Werbung beim traditionellen TV-Geschäft entspricht.

Snapchat darf also gut und gern vor allem als Konkurrent zum guten, alten Fernsehen verstanden werden. Und nicht nur als Facebook-Herausforderer. Killing TV softly – mit drei Milliarden Dollar kann man da sicherlich was machen.

-m-

* Update: Interessanterweise ist genau heute bekannt geworden, dass die BBC exklusive Folgen von Planet Earth 2 auf Snapchat zeigen wird.


Über den Autor

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist, Blogger und Social Media Stratege. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: facebook | twitter

Die Analysen als Newsletter (immer Montags)

Immer Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:

Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst du das Briefing hier abonnieren:

Support

Hi, meine Seite ist frei von Werbung und soll das auch bleiben. Falls dir aber ein Artikel besonders gefallen hat, du eine Analyse für deine Arbeit als hilfreich empfunden hast, dir einfach mein Newsletter total gut gefällt oder du gern unabhängigen Journalismus förderst, freue ich mich über eine Spende via Paypal:

Vielen Dank!

1 Euro spenden
3 Euro spenden
5 Euro spenden

Sehr großzügig!

7 Euro spenden
10 Euro spenden
25 Euro spenden

Völlig verrückt!

50 Euro spenden
100 Euro spenden
200 Euro spenden

Mind The Crap | Analyse

martin Artikel

Die alte Medienwelt wird von massiven Umbrüchen erschüttert. Egal ob Musikindustrie, Fernsehen oder Zeitungen – traditionelle Unternehmen haben mit dem Erfolg der digitalen Herausforderer zu kämpfen. Allen gemein ist dabei die Tatsache, dass wir eine extreme Entbündelung von Inhalten erleben.

Wurden erst ganze Musikalben verkauft, ob nun als LP oder auf CD, ist es heute der absolute Standard, einzelne Titel via iTunes zu kaufen oder über eine Flatrate auf einen riesigen Katalog zuzugreifen. Das alte Paket „Album“ ist nur noch etwas für Fans, die Lust auf die Premiumedition haben.

Hatte man zunächst die recht überschaubare Auswahl zwischen einzelnen Fernsehsendern, wird heute via Streaming-Anbietern eine einzelne, ganz bestimmte Sendung abgefragt, respektive einzelnen Protagonisten auf YouTube gefolgt.

Gab es ehemals eine Tageszeitung nur als komplette Einheit, zerfasert heute das journalistische Tagesgeschäft in Artikel, Tweets, Snaps, Facebook-Postings, Newsletter und vielem mehr.

Die größten Katalysatoren und Gewinner dieser Entbündelung sind die Social-Media-Plattformen – allen voran Facebook. Als die dominierende Plattform dient Facebook mehr als einer Milliarde Menschen pro Monat als Tor zur (Internet-) Welt.

Pull vs Push

Möglich wird dies durch die zunehmende Bedeutung von Smartphones. Noch nie sind so viele Menschen via mobilem Endgerät online gegangen wie heute (Studie). Tendenz steigend. Das Internet ist nicht mehr nur auf dem heimischen Rechner. Das Internet ist überall. Dies hat Konsequenzen für die Art und Weise, wie wir das Internet nutzen.

Vormals war es üblich, das Internet überwiegend derart zu nutzen, dass zuhause am PC in einen Browser eine bestimmte Adresse eingegeben wurde, respektive bei Google eine Suche getätigt wurden. Menschen nutzen das Netz, um sich von einem Angebot ihrer Wahl eine Art Bündel abzuholen, respektive Antworten zu einer bestimmten Frage zu finden. Das erinnert insgesamt noch sehr viel stärker an frühere Gewohnheiten, Medien zu nutzen: Wir schalten aktiv eine Sendung im Fernseher ein oder gehen in die Bibliothek und suchen Antworten. Die Menschen ziehen (pull) Informationen aus dem Netz.

Heute hingegen ist das Internet überall. Ständig dabei in Form von mobilen Endgeräten. Die Art und Weise, wie das Internet genutzt wird, hat sich dabei grundlegend verändert. Menschen geben nun nicht mehr in Browser bestimmte URLs ein. Sie nutzen auch nicht mehr primär Google, um ins Internet zu gelangen. Sie nutzen Apps. Und die Bereitschaft neue Apps auszuprobieren, ist nicht sehr groß. Die alles dominierende App ist Facebook – für Milliarden Menschen das Tor zur (Internet-) Welt.

Bei Facebook aber sucht niemand nach Antworten. Bei Facebook geht auch niemand auf Fanpages, was etwa das Äquivalent zum aktiven Aufrufen einer bestimmten URL wäre. Vielmehr ist der News Feed von Facebook zum Internet selbst geworden. In diesen News Feed werden Inhalte via Algorithmus reingedrückt. Gepusht. Das Internet ist via Facebooks App zur ultimativen Ablenkungsmaschine geworden.

Wenn nun also ein journalistisches Angebot im Internet das eigene Überleben an die Metrik Klicks hängt, um Nutzer gegen Werbung zu verkaufen, bleibt dem Unternehmen nicht viel anderes übrig, als auch auf Facebook zu agieren, um somit nicht die Tür zu einem potentiellen Milliardenpublikum zu verschließen.

Alle gegen alle

Das Problem dabei: Ob ein journalistisches Angebot wirklich von den potentiellen Vorteilen des Agierens auf Facebook profitiert, bestimmt nicht das Medienangebot selbst. Vielmehr definiert Facebook für Außenstehende nur bedingt nachvollziehbar die Spielregeln, was im News Feed der Nutzer auftaucht und was nicht.

Für Facebook selbst sind zunächst einmal alle Inhalte gleich. Egal ob Selfie von Lukas Podolski, die Hochzeitsfotos der Cousine, ein virales Video, Nachrichten der New York Times oder jedwede Spielart von als Nachrichten anmutenden Postings (Propaganda, Hoaxes, Lügen, Verunglimpfungen, etc…).

Facebook ist vor allem daran interessiert, dass Nutzer möglichst viel die Plattform nutzen. Dass der News Feed im besten Fall nicht von all zu viel Schmutz überflutet wird, ist nur eine Frage des jeweiligen Nutzer-Erlebnisses. Wer Quatsch mag, der bekommt auch Quatsch. Jeder ist seines News Feeds Schmieds.

Der News Feed ist dafür konzipiert, dass Nutzer sich wohlfühlen. Der News Feed ist nicht dafür da, dass Nutzer alles wissen.

Und genau in dieser Gemengelage versuchen traditionelle Journalismus-Anbieter aus aller Welt nun den Journalismus, respektive ihre eigene Haut zu retten.

Wer hier erfolgreich sein möchte, muss sich zu 100 Prozent den Spielregeln von Facebook beugen. Emotionales, Unterhaltendes, Affirmatives, bloß nicht den Nutzer herausfordern – das sind die Zutaten wirklich erfolgreichen Wirkens auf Facebook.

Lässt sich ein Journalismus-Anbieter auf dieses Fahrwasser ein, dann dürfte es nicht verwundern, wenn Nutzer auf absehbare Zeit veritablen Journalismus nicht viel mehr Beachtung schenken als den Selfies von Podolski oder irgendwelchen obskuren Wahrheitsverdrehungen. Ein Posting mit einem Link zu einer Geo-Reportage aus Aleppo sieht nun einmal genauso aus wie ein Link zu einem Hoax. Alle gegen alle. Facebook soll es recht sein.

Vielleicht ist es also an der Zeit, das eigene Wirken auf Social Media zu hinterfragen:

  • Wie viel länger kann man Erfolg nur anhand von Klicks definieren und somit weiter Artikel und Postings verfassen, die nur dafür gedacht sind, maximal im News Feed ausgespielt zu werden?
  • Will man wirklich weiterhin auf Facebook alles umsonst anbieten und so den Geburtsfehler des Internets in Facebooks Internet wiederholen? (Wer klickt schon auf die Artikel, wenn Zeile, Teaser und Bild schon alles erzählen?)
  • Wie lange will man es sich noch erlauben, Facebook Inhalte zu schenke, ohne dafür adäquat am Gewinn beteiligt zu werden? (Kaum ein einziges Posting, Video oder Foto, das ein journalistisches Unternehmen auf Facebook lanciert, lässt sich auch nur annähernd gegenfinanzieren.)
  • Will man nun wirklich unentgeltlich für Facebook die redaktionelle Aufräumarbeiten übernehmen, um somit noch mehr im Alle-gegen-Alle-Strudel zu kämpfen?

Für mein Dafürhalten werden wir mittelfristig – und der aktuelle Report der New York Times ist dafür ein lesenswerter Beleg – ein Umdenken beim Agieren auf Social erleben.

Zeit für neue Strategien

Journalistische Anbieter werden, um als Marken nicht komplett hinter Facebook zu verschwinden („Das habe ich auf Facebook gelesen“), versuchen wollen, mehr Abonnenten zu gewinnen und via Facebook Brand Awareness zu erzeugen.

Das funktioniert aber nur, indem man Social-Media-Plattformen nicht als Klick-Ofen versteht, sondern als Schaufenster für das eigene Produkt. Dafür bedarf es eines echten Umdenkens. Nur wer sich zutraut, kurzfristige Erfolge gegen die Strategie, ein wirklich loyales Publikum aufzubauen, einzutauschen, der wird mittelfristig noch eine Chance haben.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss man meinem Verständnis nach vor allem wirklich mit der Community interagieren, mit ihnen sprechen, Threads mit Herzblut moderieren, ansprechbar sein, weiterührende Artikel präsentieren, die Interaktions- Möglichkeiten auf Facebook voll ausschöpfen.

Man sollte hingegen die Community nicht einfach pausenlos mit Inhalten füttern. Das führt nur dazu, dass sich die Leute überfressen und vom Journalismus abwenden. Das wäre so ziemlich das letzte, was unsere Gesellschaft aktuell gebrauchen könnte.

-m-

Über den Autoren

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist, Blogger und Social Media Stratege. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: facebook | twitter

Die Analysen als Newsletter (immer Montags)

Immer Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:

Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst du das Briefing hier abonnieren:

Support

Hi, meine Seite ist frei von Werbung und soll das auch bleiben. Falls dir aber ein Artikel besonders gefallen hat, du eine Analyse für deine Arbeit als hilfreich empfunden hast, dir einfach mein Newsletter total gut gefällt oder du gern unabhängigen Journalismus förderst, freue ich mich über eine Spende via Paypal:

Vielen Dank!

1 Euro spenden
3 Euro spenden
5 Euro spenden

Sehr großzügig!

7 Euro spenden
10 Euro spenden
25 Euro spenden

Völlig verrückt!

50 Euro spenden
100 Euro spenden
200 Euro spenden

Alles ist fake | Analyse

martin Artikel

Für mich ist die ganze Diskussion um sogenannte fake news eine ziemliche Nebelkerze. Es gibt keinerlei belastbare Statistiken über Anzahl und Wirkung von fake news auf Facebook – weder mit Blick auf die USA und erst recht nicht für Deutschland.

Alles, was wir aktuell haben, ist eine total aufgebauschte Debatte, die von Politikern mit ziemlich undurchsichtigen Zielen geführt. Geht es um den Kampf gegen die AfD? Möchte man die Gunst der Stunde nutzen, um Facebook stärker an die Leine zu legen? Träumt gar manch einer von einem Wahrheitsministerium? Im besten Fall sind die politischen Akteure einfach nur schlecht informiert.

Denn wo sind sie all die vielen fake news auf Facebook? Wie viele fake-news-Produzenten gibt es denn in Deutschland, die ein finanzielles oder inhaltliches Ziel verfolgen, das auch nur im Ansatz den häufig erwähnten Jungs aus Mazedonien ähneln würde? Und wie weit soll bitte überhaupt eine Definition von fake news gehen? [BuzzFeed]

Wenn wir uns einmal anschauen, was in den USA zum Thema fake news diskutiert wurde, dann kann ich in Deutschland beim besten Willen nichts von ähnlicher Qualität finden, das deutschen Facebook-Nutzern regelmäßig in den News Feed gespült würde. Und das ist kein Filterblasen-Effekt.

Wer sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt, müsste eigentlich schnell feststellen, dass es sich in den allermeisten Fällen in Deutschland nicht um fake news, sondern eher um verfälschte Teaser und Überschriften bei Facebook-Postings handelt. Manchmal sind diese auch tatsächlich komplett verdreht und entsprechen in keiner Weise mehr der eigentlichen Aussage.

Als Absender treten dann unterschiedlichste Akteure auf: die Bandbreite reicht von düsteren, rechten Seiten bis hin zu mit zweifelhaften Methoden agierende Mainstream-Angeboten wie Focus Online.

Die Verbreitung solcher falschen Postings kann dabei dann häufig relativ schnell Fahrt aufnehmen, weil sie natürlich a) die Meinung der Rezipienten nur bestätigen (Facebook liebt es, den Nutzer in seiner Meinung zu bestätigen) und b) niemand auf den Link klickt, um den Artikel dahinter zu lesen. Dann würde der überspitzte Teaser, die verfälschte Headline häufig schnell enttarnt. Denn nur in absoluten Ausnahmefällen handelt es sich tatsächlich um absichtlich verfälschte Artikel.

Sicherlich: Auch dieses Prozedere ist weder für eine aufgeklärte, anständig informierte, demokratische Gesellschaft förderlich, noch führt es zu mehr Vertrauen in den Journalismus im Speziellen. Keine Frage.

Wer aber ernsthaft behauptet, wir hätten in Deutschland ein veritables Problem mit fake news, der öffnet imho nur Tür und Tor für Meinungsmagier von Trump bis Pretzell, die dann stets alles abkanzeln, was nicht in ihr Weltbild passt. Alles fake!

-m-

Über den Autoren

martin

Hi, mein Name ist Martin Giesler. Ich bin Journalist, Blogger und Social Media Stratege. 2013 habe ich das Social Media Watchblog gegründet. Hier erfährst du mehr über mich. Follow: facebook | twitter

Die Analysen als Newsletter (immer Montags)

Immer Montags erscheint ein ausführlicher Artikel, der sich stets an der Schnittstelle von Social Media, Journalismus und Gesellschaft bewegt. Dieser Newsletter wird von über 1.000 Medienmacher gelesen. Wenn du magst, kannst du ihn direkt hier abonnieren:

Das Briefing des Social Media Watchblogs (Di – Do)

Dienstags, Mittwochs und Donnerstag erscheint das berühmte #Briefing des Social Media Watchblogs mit den wichtigsten News zu Social Media. Wenn du Teil von über 3.000 Abonnenten werden möchtest, kannst du das Briefing hier abonnieren:

Support

Hi, unsere Seite ist frei von Werbung und soll das auch bleiben. Falls dir aber ein Artikel besonders gut gefallen hat, du eine Analyse für deine Arbeit als hilfreich empfunden hast oder dir einfach unser Newsletter total gut gefällt, freuen wir uns über eine Spende via Paypal:

Vielen Dank!

1 Euro spenden
3 Euro spenden
5 Euro spenden

Sehr großzügig!

7 Euro spenden
10 Euro spenden
25 Euro spenden

Völlig verrückt!

50 Euro spenden
100 Euro spenden
200 Euro spenden